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Christentum als Stil

von

Christoph Theobald

Sachbuch

In den Debatten um die Krise der europäischen Integration spielt die Frage nach den spirituellen Identi-tätsmerkmalen des Kontinents bis-her eine vernachlässigte Rolle. Die Inspirationskraft des Christentums scheint geschwächt. Vor diesem Hin-tergrund bedarf es dringend eines neuen ganzheitlichen Glaubens- und Gottesverständnisses, dessen Konturen der Pariser Theologe Christoph Theobald in seinem Buch entfaltet.

Verschwende deine Jugend

von

Jürgen Teipel

Oral History

Als vor zehn Jahren "Verschwende Deine Jugend" erschien, war nicht abzusehen, welche Wirkung dieser Doku-Roman zum deutschen Punk und New Wave erzielen würde. Dem Überraschungsbestseller folgten nicht nur bald eine gleichnamige Doppel-CD und die Ausstellung in der Kunsthalle Düsseldorf, er wurde auch zum Auslöser des Punk-Revivals. Kein Wunder also, dass der Musikexpress das Buch zum Pop-Ereignis des Jahres wählte.
In "Verschwende Deine Jugend" erzählen alle wichtigen Protago-nisten der Szene, wie durch die englische Punk-Explosion von 1977 erstmals auch eine deutschspra-chige Popkultur möglich wurde. Hier kommen nicht nur Bands wie Fehl-farben, DAF, Palais Schaumburg oder Abwärts zu Wort und Popmusi-ker wie Campino, Blixa Bargeld oder Nina Hagen, sondern auch über Punk sozialisierte Künstler wie Ben Becker oder Markus Oehlen.

Ein Mai in Konstanz

von

Jürgen Seidler

Roman

Konstanz im Mai 1965. Die schwie-rigen Wiederaufbaujahre unter Konrad Adenauer sind bereits vor-bei, die französischen Besatzungs-mächte residieren immer noch in der Stadt am Bodensee, den Leuten beginnt es wirtschaftlich besser zu gehen. Die Unterschiede zwischen dem katholischen und evangeli-schen Glauben spielen jedoch immer noch eine unerbittliche Rolle. Das bekommt auch die junge Beate Adler zu spüren, die mit ihrem Verlobten Anton Sauter einen ge-meinsamen Sohn hat. Antons Vater ist Steinmetz und Baumeister am Konstanzer Münster. Eine evange-lische Schwiegertochter kommt für ihn nicht in Frage. Hinter seiner Ab-lehnung steckt jedoch mehr, als Beate ahnt.

Gross werden

von

Madeleine Buess

Roman

Ein Mädchen, das in den 1950ern seine Welt zu erkunden beginnt. Über das Anderssein als Zugezo-gene im Dorf. Leiser Text von gros-ser Klarheit, der vom Zauber und auch den Nöten der Kindheit er-zählt. Als Paula mit ihrer Familie von der Aargauer Kleinstadt in ein Dorf im Baselbiet zieht, wird vieles anders. Die kleine Paula erforscht aufmerksam die fremde dörfliche Welt und setzt alles daran, am neuen Ort dazuzugehören. Wenn sie alleine ist, übt sie die im Dorf übliche Aussprache der Wörter, damit sie bald wie die anderen sprechen kann. Trotz ihren Versu-chen, so wie alle zu sein, wird Paula immer wieder auf ihr Anderssein gestossen. Als Kinder des Pfarrers müssen sie und ihre Geschwister besonders tadellos sein. Aber auch andere gehören nicht ganz dazu, die Zugezogenen, Katholischen und die Armen. Auch die alte Nachbarin schräg gegenüber, die als lediges Fräulein ohne Angehörige ihr ganz eigenes Reich verteidigt, ist anders. Paula findet bei ihr einen wunder-baren Ort, hier wird nach Lust und Laune geschwatzt, geschleckt und geschimpft.Langsam entfernt sich Paula vom Dorf, greift aus nach Vorstadt und Stadt, die ihr bedroh-lich und verlockend zugleich er-scheinen. Gegen das, was sie bedrängt, setzt Paula die Kraft der Fantasie, der Musik und der Wörter.

Ruhe sanft

von

Thomas Sandoz

Roman

Er arbeitet als Gärtner im städt-ischen Friedhof. Man hat ihm den Bezirk mit den Kindergräbern zuge-teilt. Mit Hingebung kümmert er sich um die Grabstätten, liebevoll pflegt er die Grünanlagen. Er ist ein Gezeichneter. Auf der Spur dunkler Erinnerungen will er die Einsamkeit der eigenen Kindheit auslöschen, will ganz Familie sein. Être famille enfin. Dafür geht er mit den Früh-verstorbenen eine geheime, innige Verbindung ein. Er gibt ihnen Pflan-zennamen, hört auf ihre Wünsche und erfüllt sie nach Kräften. In der bevorstehenden Umstrukturierung des Friedhofs sieht der »Kinder-gärtner« eine Bedrohung seiner Schützlinge. Er gerät in inneren Auf-ruhr, unternimmt alles, um sie zu schützen. Immer unangepasster wird sein Verhalten. Und er hat einen Plan: den Kauf eines abseits gelege-nen, leerstehenden Häuschens mit Garten. Den Toten wird es am neuen Ort gut gehen.

Die Ökonomie von Gut und Böse

von

Tomas Sedlacek

Sachbuch

Die meisten unterschätzen, wie tief die Ökonomie in der Kultur verwur-zelt ist. Nicht so Tomáš Sedláček. Er erklärt: „In der Ökonomie geht es um Gut und Böse.“ Oft wollen wir etwas (Gutes), unser wirtschaftliches Handeln hat jedoch (manchmal böse) Folgen. Unseren Begriff von Wirtschaft erschüttert er damit wie wenige vor ihm. Sein Buch ist ein faszinierender Gang durch die Welt der Ökonomie – vom Gilgamesch-Epos über das alte Testament und Adam Smith bis zur Wall Street und zur Wirtschaftskrise. Und ganz nebenbei erfahren wir, warum die Sprache der Wirtschaft, die Mathematik, nicht wertfrei und kühl ist, sondern schön und sogar verführerisch sein kann.

Die Baronessa

von

Daniela Calastri-Winzenried

Biografischer Roman

"Die Baronessa" ist die romanhafte Darstellung des Lebens von Antoinetta St. Léger, Besitzerin der Inseln von Brissago von 1885 bis 1928, und erzählt die wahre Geschichte einer berühmten und bewunderten russischen Baronin, die viele Jahre im Tessin lebte. Sie führte ein bewegtes Leben, pflegte Freundschaften mit interessante Mensche aus dem kulterellen Leben ihrer Zeit und nahm in ganz Europa die unterschiedlichsten Geschäfte in Angriff. Im Gegensatz zu den geschäftlichen Erfolgen erlebte sie in ihren Leibesbeziehungen und innerhalb ihrer Familie eine Folge von Niederlagen und Tragödien.

Über die Schönheit der Seele

von

François Cheng

Sachbuch

Vierzig Jahre ist es her: Ein noch wenig bekannter Schriftsteller sitzt in der Pariser Metro einer Frau gegen-über, deren Schönheit ihn bewegt, ja erschüttert. Sie erkennt ihn und spricht ihn an. Mehrfach treffen sie sich wieder, verlieren sich dann aber aus den Augen. Doch nun, Jahr-zehnte später, erreicht ihn ein Brief: In vorgerücktem Alter denke sie im-mer mehr über die Seele nach. Und sie bittet ihn, ihr von der Seele zu erzählen. Seine Antwort gibt Fran-çois Cheng der fernen Geliebten in sieben Briefen, nachdem er selbst ein Leben lang nach den Geheim-nissen der Seele gesucht hat. Ein lebensweises Trostbuch für unsere Zeit.

Alte Sorten

von

Ewald Arenz

Roman

Sally und Liss: zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sally, kurz vor dem Abitur, will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie hasst so ziemlich alles: Ange-bote, Vorschriften, Regeln, Erwach-sene. Fragen hasst sie am meisten, vor allem die nach ihrem Aussehen. Liss ist eine starke, verschlossene Frau, die die Arbeiten, die auf ihrem Hof anfallen, problemlos zu meistern scheint. Schon beim ersten Ge-spräch der beiden stellt Sally fest, dass Liss anders ist als andere Er-wachsene. Kein heimliches Mustern, kein voreiliges Urteilen, keine miss-trauischen Fragen. Liss bietet ihr an, bei ihr auf dem Hof zu übernachten. Aus einer Nacht werden Wochen. Für Sally ist die ältere Frau ein Rätsel. Was ist das für Eine, die nie über sich spricht, die das Haus, in dem die frühere Anwesenheit ander-er noch deutlich zu spüren ist, allein bewohnt? Während sie gemeinsam Bäume auszeichnen, Kartoffeln ern-ten und Liss die alten Birnensorten in ihrem Obstgarten beschreibt, de-ren Geschmack Sally so liebt, komm-en sich die beiden Frauen näher. Und erfahren nach und nach von den Verletzungen, die ihnen zuge-fügt wurden.

Verdammtes Licht

von

Hubert Wolf

Sachbuch

Päpste haben das Licht der Aufklärung als Ketzerei verdammt. Aufklärer wie Voltaire wollten die Kirche vernichten. Vermittelnde Ver-suche, dem Katholizismus selbst ei-ne Aufklärung zu verordnen, wurden als "Zeit-Irrtümer" verurteilt. Hubert Wolf zeichnet in meisterhaften Fallstudien den epochalen Konflikt nach und macht deutlich, warum sich eine katholische Aufklärung bis heute gegen Widerstände durch-setzen muss. Wenn von den "Wer-ten des Westens" die Rede ist, werden Christentum und Aufklärung gern in einem Atemzug genannt und gegen andere Religionen in Stellung gebracht. Dabei wird über-sehen, wie hart der Vatikan bis ins 20. Jahrhundert gegen das "Licht der Vernunft" zu Felde gezogen ist. Hubert Wolf erklärt, warum die Päpste mehr Angst vor Demokratie und Aufklärung hatten als vor Romfreundlichen Diktaturen, wie ka-tholische "Laien" für ein Ende ihrer Unmündigkeit kämpften, aufgeklärte Theologen sich von Rom emanzi-pierten und demokratische Politiker für ihren katholischen Glauben strit-ten. In den letzten Jahrzehnten hat die Kirche ihre militante Ablehnung der Aufklärung revidiert, Traumata verarbeitet, sich geöffnet. Aber noch immer sind Demokratie und Aufklä-rung keine Selbstverständlichkeit. Das engagierte Buch klärt den Katholizismus über seine Konflikt-geschichte mit der Aufklärung auf, um ihn endlich mit ihr zu versöhnen.

Zerbrochene Länder

von

Scott Anderson

Reportage

»Manchmal fließt die Geschichte der Menschheit bedächtig vor sich hin, manchmal bewegt sie sich sehr schnell.« Diesen Satz formulierte Muammar al-Gaddafi 2002 gegen-über Scott Anderson. Tatsächlich hat sich die Geschichte im Nahen Osten überschlagen, seit die USA 2003 im Irak einmarschiert sind: 2011 weckte der Arabische Frühling Hoffnungen, doch bald versanken Länder wie Syrien und der Irak im Chaos, von dem wiederum der Islamische Staat profitierte. Millionen Menschen floh-en aus Syrien in Nachbarstaaten und nach Europa. Anhand der Erlebnisse von sechs Menschen schildert Anderson die Geschichte einer zer-brechenden Region. Er begleitet den jungen Iraker Wakaz, der sich vorübergehend dem IS anschließt, Laila, die Witwe eines prominenten ägyptischenMenschenrechtsanwalts, deren Sohn innerhalb kurzer Zeit von drei Regimes inhaftiert wird, und Majd, den seine Flucht von Homs über das Mittelmeer bis nach Dresden führt. Illustriert wird Ander-sons Großreportage mit Aufnahmen des renommierten Fotografen Paolo Pellegrin. Ein einmaliges zeitge-schichtliches Dokument.

Azra und Kosmas

von

Perikles Monioudis

Roman

Kosmás Groß, ein Schriftsteller mit weltweiter Bekanntheit und ebenso großer Scheu vor der Öffentlichkeit, verunfallt in einer Frostnacht am Reichstagufer in Berlin. In der Chari-té behandelt ihn Azra. Der Notärztin ist er bereits einmal begegnet: auf der griechischen Insel Lesbos. Perikles Monioudis erzählt in hohem Tempo die schicksalhafte Begeg-nung von Azra und Kosmás in der Ägäis, vom Sog des illegalen Back-gammonspiels, von Flüchtlings-booten, spielsüchtigen Schleppern und einer unerwarteten Katastro-phe, die über alle dort hereinbricht.

"Viele sind

sehr sehr gut zu mir"

von

Ute Kröger

Biografie

Erstmals beleuchtet Ute Kröger auch die wenig bekannten frühen Aufent-halte der Dichterin in Zürich von 1917 – 1927. 1917 wird ihr Sohn Paul volljährig, sie hat Angst um ihn, denn Franz Marc und viele ihrer Freunde sind im Krieg gefallen. Der Kilchberger Arzt Hans Huber be-wahrt ihn mit Attesten vor der Ein-berufung. Tatsächlich ist er krank, und bis zu seinem Todesjahr 1927 sind Paul und Else Lasker-Schüler immer wieder in Zürich. Hier knüpft sie ein Netz aus Beziehungen in die Kulturszene und zu «Grosskapita-listen», die ihr helfen. 1933 kann sie an dieses Netz anknüpfen, als sie nach Zürich ins Exil geht – sie erin-nert sich an eine Einladung von Edu-ard Korrodi, dem Feuilletonchef der NZZ. Die vielen Freunde und Ver-ehrer sichern ihre Existenz und ste-hen ihr bei gegen die Fremdenpoli-zei, die sie mit befristeten Aufent-haltsgenehmigungen gängelt und die sie umgekehrt zur Verzweiflung bringt, da sie sich an keine Fristen und Auflagen hält und mehrmals ihr Geburtsdatum ändert. Am Ende ver-unmöglicht der Ausbruch des Zwei-ten Weltkrieges schliesslich ihre Rückkehr aus Jerusalem nach Zürich.
«Viele sind sehr sehr gut zu mir» zeigt die grosse Dichterin als begabte Netzwerkerin und erzählt ein Kapitel Zürcher Kulturgeschichte.

Wild wie die Wellen des Meeres

von

Anna Stern

Roman

 

Während Ava Garcia um ihr inneres Gleichgewicht ringt und um die Entscheidung, ihr ungeborenes Kind zu behalten oder nicht, kämpft Paul Faber um ihre Liebe und eine ge-meinsame Zukunft. Angesiedelt im Nordwesten Schottlands sowie am Bodensee erzählt »Wild wie die Wellen des Meeres« die vielschichti-ge Beziehung zwischen den beiden Liebenden. Anna Stern folgt der Familiengeschichte von Ava Garcia bis weit in die Vergangenheit, pa-rallel dazu schildert sie die Gegen-wart von Paul Faber. Stern gelingt ein beeindruckender Roman über den Umgang mit Trauer, die Präsenz der Vergangenheit und die trüger-ische Authentizität von Erinner-ungen.